Gedenken an Laye Condé und 13 Jahre zwangsweise Brechmittelvergabe

Samstag, den 7. Januar 2017 um 13.00 Uhr
Treffpunkt: Ziegenmarkt

Die Initiative in Gedenken an Laye-Alama Condé erinnert alljährlich an seinen Tod im Polizeigewahrsam und 13 Jahre Brechmittelvergabe. Bereits seit Jahren fordert die Initiative einen Gedenkort, der mahnend daran erinnert, dass kein Mensch im Zuge staatlicher Maßnahmen gequält oder gar getötet wer­den darf. Gerade in Zeiten, die von Rechtspopulismus und Hetze bestimmt sind, ist es wichtiger denn je, solche fundamentalen Rechte zu verteidigen und klar Stellung zu beziehen gegen Positionen, die diese Rechte anderen Menschen absprechen wollen.

Anfang Januar ließ sich Henning Scherf mit den Worten zitieren:„Ich fühle mich schuldig, dass ich den Tod dieses Menschen möglich gemacht habe“. Wenn der Ex-Bürgermeister als DER Repräsentant der Brechmittel-Politik von seiner Schuld und einem Fehler spricht, dann sollten endlich auch andere Akteur_innen sich ihrer Verantwortung für 13 lange Jahre der Brechmittelvergabe stellen. Wir denken hierbei etwa an die Ärztekammer, vor allem aber an die SPD als federführende Partei, ohne die es dieses gewaltvolle und erniedrigende Beweisverfahren nie gegeben hätte.

 

Mobiler Gedenkort

Ab dem 7. Januar 2017 werden wir nacheinander in verschiedenen Kulturzentren, Kneipen, Vorgärten oder anderen Orten einen mobilen Gedenkort aufbauen, bis ein dauerhafter Standort beschlossen wird. Der Entwurf für den Gedenkort umfasst eine Tafel auf Deutsch, Englisch und Französisch (siehe Kasten) und ein so genanntes Audio-U-Turngerät, das mit einer kleinen Handkurbel in Gang gesetzt wird. Zu hören sind dort drei verschiedene Audio-Spuren zwischen 8 und 10 Minuten, jeweils auf Deutsch, Englisch und Französisch, von denen einzelne bereits in den Tagen vor dem 7. Januar in Kneipen und Cafés öffentlich aufgeführt werden.

 

Audio-Dokumente geben Hintergrund-Informationen

Durch die drei Audio-Dokumente bekommen die Zuhörer_innen einen Überblick über 13 Jahre Brechmittelvergabe in Bremen, von den Anfängen 1991 bis zum Tod von Laye Condé, dem vorläufigen Stopp 2005 und der Einstufung dieser Praxis als Folter durch den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte im Jahr 2006. Die Darstellung der Geschehnisse in der Nacht, als Laye Condé getötet wurde, orientiert sich an den bekannten Fakten. Ein Interview mit Betroffenen, die die Prozedur zwar überlebt haben, aber dennoch nachhaltig geschädigt wurden, weist darauf hin, dass In Bremen Hunderte weitere Menschen leben, die dieser Behandlung unterzogen wurden, und dafür bis heute nie ein Wort der Entschuldigung vernommen haben.

 

Zwischen 1991 und 2004 sind in Bremen in über 1.000 Fällen Brechmittel an Menschen in Polizeigewahrsam verabreicht worden. Am 27. Dezember 2004 wurden dem aus Sierra Leone geflüchteten Laye Condé im Polizeirevier Bremen-Vahr gegen seinen Willen vom Beweissicherungsdienst durch eine Nasensonde zwei Stunden lang mehrere Liter Wasser und Brechmittelsirup eingeflößt.

Am 7. Januar 2005 starb Laye Condé an den Folgen dieser Zwangsmaßnahme.

2006 stufte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte die zwangsweise Vergabe von Brechmitteln als Verletzung von Art. 3 der Europäischen Menschenrechtskonvention ein: Niemand darf der Folter oder unmenschlicher oder erniedrigender Strafe oder Behandlung unterworfen werden.


www.brechmittelfolter-bremen.de (online ab dem 7.1.2017)