Am 7. Januar 2026 versammelten sich ca. 150 Menschen zum Gedenken an die Tötung von Laye Condé vor 21 Jahren und an 13 Jahre Brechmittelfolter in Bremen. Die Gedenkkundgebung fand gegenüber dem Gerhard-Marcks-Haus statt, wo im September 2026 der endgültige offizielle Gedenkort der Stadt Bremen errichtet werden wird.
Die Familie von Laye Condé in Guinea schickte ein kurzes Grußwort:
Im Namen der Familie möchten wir euch allen für all die Arbeit danken, die ihr seit dem Tod von
Laye Alama Condé geleistet habt.
Seine Abwesenheit in der Familie trifft uns noch immer sehr.
Laye hat seiner Mutter, seinen Brüdern und seinen Angehörigen alles bedeutet.
Möge seine Seele in Frieden ruhen.
Eure Unterstützung wird von uns als Familie immer geschätzt werden. Vielen Dank an alle.
(Bangaly Condé, Bruder von Laye Condé, Conakry am 7. Januar 2026)
Es folgte ein Beitrag der Initiative in Gerechtigkeit für Lorenz aus Oldenburg. Der 21jährige Lorenz wurde am 20. April 2025 mitten in der Innenstadt von der Polizei erschossen.
Zum Nachhören: Beitrag der Initiative Gerechtigkeit für Lorenz
Im vergangen Jahr konnte die Initiative in Gedenken an Laye Condé mit zwei weiteren Überlebenden der Brechmittelfolter längere Interviews führen. Das wurde im Anschluss vorgestellt und einige Auszüge aus den Interviews verlesen:
Wir gedenken heute Laye Alama Condé und den vielen Menschen, die zwischen 1991 und 2004 in über 1000 Fällen der Brechmittelfolter durch die Bremer Polizei ausgesetzt waren.
Behördliche Akten über die genaue Anzahl und Identität der Betroffenen existieren angeblich nicht. Auch uns ist es in den vergangenen Jahren nur selten gelungen, mit Betroffenen in Kontakt zu treten und ihre Geschichten zu hören – Geschichten und Lebenswege junger Schwarzer Menschen, die in den 1990er Jahren aus verschiedenen Ländern des afrikanischen Kontinents nach Bremen gekommen sind. Viele von ihnen flohen vor politischer Verfolgung, suchten einen Ausweg aus ökonomischer Perspektivlosigkeit oder eine berufliche und private Zukunft in Europa. Sie kamen als junge, hoffnungsvolle Menschen mit dem Wunsch, hier zu lernen, zur Schule zu gehen, Freund*innen zu finden, eine Ausbildung oder ein Studium zu beginnen, sich weiterzubilden oder eine Familie zu gründen.
Stattdessen erfuhren sie institutionellen Rassismus, bestehend aus Lagern, Ausgrenzung, Abschiebedrohungen, rechtlicher Perspektivlosigkeit, Alltagsrassismus und der Brechmittelfolter – ein staatliches Gewalt- und Grenzregime, das ihre Träume restlos zerstörte.
Das System der Brechmittelfolter hat an diesen jungen Schwarzen Menschen unzählige Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt und es ist unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass dies nicht in Vergessenheit gerät. Deshalb ist es für uns von zentraler politischer Bedeutung, dass ihre Geschichten gehört werden müssen, denn sie sind auch Ausgangspunkt für den Kampf um Gerechtigkeit, für die umfassende gesellschaftliche Anerkennung des Leids, das durch die Brechmittelfolter verursacht wurde – verbunden mit der zentralen Forderung nach vollständiger finanzieller Entschädigung.
Wir sind deshalb tief berührt vom Vertrauen zweier Betroffener, die im September 2025 ein langes Interview mit uns geführt haben. In diesem zweistündigen Gespräch erzählten sie von ihrer Ankunft in Bremen, ihren anfänglichen Hoffnungen, der schrittweisen Desillusionierung, Entrechtung und Prekarisierung durch den institutionellen Rassismus der Ausländerbehörde, von der erlebten Gewalt durch rassistische Aufenthaltsgesetze – und im Zentrum ihrer Erzählungen: den grausamen Erfahrungen rassistischer Polizeigewalt durch die Brechmittelfolter. Sie berichteten von der schockierenden Erfahrung, mit dieser extremen Form staatlicher Gewalt konfrontiert gewesen zu sein, von körperlichen Schäden, tiefen emotionalen Verletzungen und Traumatisierungen, die sie dadurch erlitten haben und an deren Folgen sie zum Teil bis heute leiden.
Diese biografischen Zeugnisse haben uns sehr erschüttert, traurig und wütend zurückgelassen. Trotz unserer langjährigen Beschäftigung mit dem Thema haben diese Erzählungen uns lebensnah und eindrücklich vor Augen geführt, wie furchtbar und grausam das System der Brechmittelfolter für unzählige Schwarze Menschen war.
Umso dankbarer sind wir den beiden Betroffenen, dass sie den Mut und Kraft hatten, ihre Geschichten mit uns zu teilen und die wichtige Erkenntnis erbracht haben, dass noch viele weitere Betroffenen heute in Bremen leben, miteinander in Kontakt stehen und dass wir noch viele Geschichten hören müssen, wofür es Geduld, Vertrauen und Zeit braucht, bis die Betroffenen den Mut finden, über das Erlebte zu sprechen und für ihre Rechte einzutreten.
Die beiden Interviews sind daher ein entscheidender Ausgangspunkt für den Kampf um Gerechtigkeit, gegen rassistische Gewalt und für Entschädigung. Wir sind bewegt, euch nun einige der leicht redaktionell überarbeiteten Auszüge aus den Interviews im Original vorlesen zu können, ohne dabei explizit auf die Schilderungen des Vollzugs der Brechmittelfolter einzugehen – auch wenn diese einen großen Teil des Erzählten einnehmen.
Auszüge aus 2 Interviews mit Überlebenden der Brechmittelfolter in Bremen, September 2025
Zum Abschluss wurden in einem Redebeitrag vieler weiterer Menschen gedacht, die im vergangenen Jahr in Deutschland durch die Polizei getötet wurden: „…2025 wurden 17 Menschen allein durch Polizeischüsse getötet, viele davon in einer psychischen Ausnahmesituation. Acht weitere Menschen kamen im letzten Jahr unter ungeklärten Umständen in Polizeigewahrsam oder in Knästen ums Leben – einer davon, Nelson, war erst 15 Jahre alt...“
Rede zur Gedenkminute in voller Länge
Medieninformation vom 04.01.2026
Gerechtigkeit für die Betroffenen der Brechmittelfolter
Gedenkkundgebung zum 21. Todestag von Laye Condé, Mi., 7.1., 17.30 Uhr, neben dem Wilhelm-Wagenfeld-Haus
In der Zeit zwischen 1991 und 2004 wurden in Bremen Menschen über 1.200 Mal der Brechmittelfolter ausgesetzt. „Die traumatischen Erfahrungen stellen für viele Betroffene eine klaffende biographische Wunde dar“, so Torsten Schlusche für die Initiative in Gedenken an Laye Alama Condé. „Bis heute gibt es keine Anerkennung des individuellen Leids. Wir fordern auch nach wie vor eine individuelle finanzielle Entschädigung.“
Viele der Betroffenen wohnen auch heute noch in Bremen. Auf der Gedenkkundgebung zum Todestag von Laye Alama Condé werden Auszüge aus Interviews mit zweien von ihnen werden hören sein. „Nach der erniedrigenden Brechmittelprozedur mussten die Betroffenen mitunter ihr Erbrochenes aufwischen und wurden ohne medizinische Hilfe auf die Straße gejagt“, so Torsten Schlusche weiter.
Die Kundgebung findet am Wilhelm-Wagenfeld-Haus statt. Dort gegenüber wird im September 2026 der offizielle Gedenkort an Laye Condé und 13 Jahre Brechmittelfolter vor dem Gerhard-Marcks-Museum eröffnet werden. An der Eröffnung wollen auch Angehörige von Laye Condé aus Guinea anreisen: „Die Initiative erwartet vom Senat , dass dieser die Angehörigen offiziell zur Zeremonie einlädt und die für deren Anreise notwendigen Regularien mit der Deutschen Botschaft in Conakry proaktiv klärt“, so Torsten Schlusche.
Auf der Kundgebung wird ein Redebeitrag der Initiative Gerechtigkeit für Lorenz den aktuellen Stand beleuchten, nachdem zu Ostern 2025 der 21-jährige Lorenz in Oldenburg von der Polizei erschossen wurde.
Medieninformation vom 04 01.2026 zur Gedenkkundgebung am 7. Januar 2026



Gedenktag 7. Januar 2025
Am 20. Todestag von Herrn Laye Condé versammelten sich rund 250 Menschen vor dem Gerhard-Marcks-Haus, wo im Laufe des Jahres der Gedenkort für Herrn Condé und die vielen anderen, die sich der Brechmittelfolter unterziehen mussten, errichtet und eingeweiht werden wird. Vertreter*innen der Initiative verwiesen auf den großen Erfolg, diesen Gedenkort durchgesetzt zu haben, wiesen aber zugleich darauf hin, dass eine andere zentrale Forderung, die Entschädigung aller Betroffenen, nach wie vor unerfüllt sei.
Der Gedenkort stammt von der südafrikanischen Künstlerin Usha Seejarim. Er trägt den Titel Death by Drowning (Tod durch Ertränken) und besteht aus großflächigen Buchstaben, die zusammen das englische Wort Force ergeben.
Die Künstlerin war auf der Kundgebung gleich zweimal vertreten. Zum einen trugen Aktivist*innen einen Text von ihr vor. Dort ging es u.a. um die zentrale Bedeutung, die sie mit Blick auf die Brechmittelfolter dem Begriff Force zuschreibt.
Zum anderen war Usha Seejarim per Audiobeitrag auch mit einer Rede zu hören:
Zum Nachhören: Audiobeitrag von Usha Seejarim auf der Kundgebung zum 20.Todestag von Laye Condé
Zum Nachlesen: Den Text des Audiobeitrags gibt es auch hier in Englisch/Französisch und in Englisch/Deutsch).
Alljährlich gedenkt die Initiative auch aller anderen Betroffenen von rassistischer (Staats)Gewalt. In einem weiteren Audiobeitrag war zudem eine Rede des Solidaritätskreises Justice4Mouhamed zu hören. Der junge Mouhamed Dramé war 2022 in Dortmund von der Polizei erschossen worden. Im Dezember 2024 wurden alle beteiligten Polizist*innen freigesprochen worden.
Beitrag des Solidaritätskreises Justice4Mouhamed auf der Kundgebung zum 20.Todestag von Laye Condé
Im Vorfeld der Kundgebung zum 20. Todestag von Laye Condé gab ein Vertreter der Initiative den Freien Radios ein Interview.
Pressemitteilung der Initiative in Gedenken an Laye Condé zur Kundgebung am 07.01.2025
Bericht bei buten un binnen/Radio Bremen v. 07.01.2025
Vorbericht bei buten un binnen v. 07.01.2025
Am 7. Januar 2025 jährt sich die Tötung von Laye Alama Condé durch die institutionalisierte Brechmittelfolter zum 20. Mal.
Sein Tod war das Ergebnis eines tief verankerten Rassismus in Polizei, Justiz, Politik, Ärzteschaft und Mehrheitsgesellschaft.
Wir gedenken, um niemals zu vergessen.
Wir gedenken, um zu verändern.
Stop racist profiling – stop racism!

Pressemitteilung der Initiative in Gedenken an Laye Alama Condé zum 7.1.2024

Gedenktag 7. Januar 2023
Zum 18. Todestag von Laye Alama Condé versammelten sich am 7. Januar über 200 Personen zur Gedenkkundgebung auf dem Goetheplatz. In einem Grußwort sprach Bangaly Condé, ein Bruder von Laye Alama, über die fortwährende Trauer der Familie über den Verlust und den brutalen Tod von Laye Condé und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass andere Familienmitglieder ein Aufenthaltsrecht in Deutschland erhalten:
Grußwort von Bangaly Condé (auf französisch gesprochen)
Grußwort von Bangaly Condé (auf deutsch übersetzt)
Ein Sprecher der Initiative hob hervor, dass sich die Initiative nun verstärkt der Frage der Entschädigung zuwenden und dazu in der nächsten Zeit mit mehreren überlebenden Betroffenen der Brechmittelfolter in Kontakt treten wird.
Die Initiative gab einen kurzen Überblick über die derzeit laufende künstlerische Ausschreibung für den bis Endes des Jahres 2023 zu realisierenden Gedenkort auf dem Platz beim Gerhard-Marcks-Haus (neben der Kunsthalle Bremen). Über die konkrete künstlerische Umsetzung entscheidet eine Auswahlkommission, in der vor allem Menschen vertreten sind, die von Rassismus und anderen Formen von Diskriminierung betroffen sind.
Rede-Beitrag der Vertreterin der Auswahlkommission (auf deutsch, englisch, französisch)
In einer Gedenkminute wurde wie jedes Jahr Laye Alma Condé und dem am selben Tag in einer Dessauer Polizeiwache ermordeten Oury Jalloh gedacht sowie der vielen weiteren Menschen, die durch Polizeigewalt, durch institutionellen Rassismus und durch die Folgen einer brutalen Migrationspolitik getötet wurden.
Zu einem Trauerlied der malischen Sängerin Oumou Sangaré, das von Bangaly Condé für die Gedenkkundgebung ausgesucht worden war, legten die Anwesenden in Erinnerung an Laye Alama Condé Rosen am Mobilen Gedenkort nieder und entzündeten Kerzen.
Berichterstattung zum Gedenktag (taz, 6.1.2023):
Langsam mahlende Gedenk-Mühlen
Mit einem Denkmal soll in Bremen an das Brechmittel-Todesopfer Laye Alama Condé erinnert werden. Künstler*innen können nun ihr Interesse bekunden.



Ein Überblick über zurückliegende Gedenktage findet sich unter Gedenktage 7. Januar.
